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Unvollendeter Entwurf und Einladung zur Mitgestaltung an einem universalen
Menschenbild
Das Problem des Menschen ist der Mensch - und seine Lösung. In letzter Zeit ist öfter mal der Begriff vom 'Menschenbild' zu lesen und zu hören. In Wörterbüchern dagegen ist er so gut wie nicht zu finden. Es scheint so, als würde sich das allgemeine Bewußtsein vermehrt den Ursachen von Problemen zuwenden. Dies ist eine erfreuliche Erscheinung, denn die Behandlung von Symptomen ist auf die Dauer nicht nur zu teuer, sondern gewissermaßen auch menschenunwürdig. Nachfolgend soll in verhältnismäßig wenigen und einfachen Worten der Begriff Menschenbild anschaulich und anwendbar gemacht werden. Der Mensch ist ein Teil der Natur, mit der Einschränkung, daß er mit dieser nicht mehr ganzheitlich verbunden ist. Durch seinen Verstand ist er geistig von der Natur getrennt. Damit hat es als einziges Lebewesen die Möglichkeit, seine natürlichen Lebensgrundlagen und seine eigene Art zu zerstören. Der Mensch ist ein soziales Wesen, er wird ohne Mitmenschen nicht zum Menschen. Er ist nicht einmal im Stadium eines Tieres lebensfähig, da ihm die wesentlichen Instinkte fehlen. Die stärksten Triebe des Menschen sind der Selbsterhaltungstrieb und der Fortpflanzungstrieb. Andere Triebe wie Pflegetrieb, Forschungsdrang, Abgrenzung, Rivalität, Aggression, Geltungsdrang usw. gehen auf die beiden Haupttriebe zurück und sind teilweise grundlegend unterschiedlich auf die Geschlechter verteilt. Aus der mangelnden Kenntnis dieser Unterschiedlichkeit sowie aus der allgemeinen Unkenntnis der naturgegebenen Triebe entstehen viele gesellschaftliche Mißverständnisse, Probleme und Konflikte. Eine weitere wesentliche Ursache für Konflikte sind geistige Lebenseinstellungen, die nicht ganzheitlich und konsequent wahrhaftig ausgerichtet sind und irreale Vorstellungen enthalten. Eine logische Begründung der Lebenseinstellung anhand der erkennbaren Realitäten ermöglicht eine Antwort auf die Frage nach dem Sinn des Lebens. Da ein absoluter Sinn für den Menschen nicht erkennbar ist, bleibt als wahrhaftige Antwort nur die Anerkennung dieses letzten Nichtwissens und die anschauliche Natur als grundsätzliches Vorbild. Das ungefragte Entstehen und Vergehen des Lebendigen mag für viele eine unbequeme Tatsache sein, ein Akzeptieren ist dennoch die sinnvollste Einstellung, weil sie am ehesten einen realistischen Umgang damit ermöglicht. Mit einem Be-kenntnis zu einer Lebenseinstellung gibt der Mensch sein Selbst-verständnis und seine Lebens-orientierung zu er-kennen. Das Bekenntnis ist eine Bekanntgabe und Einladung zu entsprechendem uneingeschränktem oder eingeschränktem Austausch. Aus einem christlichen Bekenntnis läßt sich beispielsweise ableiten: Hier besteht eine Orientierung an einem Christus, an einer teils geschichtlichen, teils ideellen Führer-Persönlichkeit. Aus einem humanistischen Bekenntnis läßt sich ableiten: Hier besteht eine Orientierung an verantwortlicher Menschlichkeit. Der Unterschied liegt in einer indirekten und einer direkten Form der Orientierung. Ein christliches oder sonstiges Bekenntnis oder eines zur Bekenntnislosigkeit läßt nicht schon die Bereitschaft zum Hinterfragen und der Arbeit an der eigenen Person erkennen, bei einem humanistischen Bekenntnis hingegen kann dies vorausgesetzt und nötigenfalls auch angemahnt werden. Ein weiterer wesentlicher Unterschied liegt in den Gegensätzen von Abgrenzung und Universalität. Die Zunahme an Globalisierung einerseits und damit an Konflikten und Gewalt andererseits lassen ein universales Menschenbild als not-wendig erscheinen.
Lebensgestaltung
Eine verantwortliche und sinnvolle Lebensgestaltung enthält drei
grundlegende Bereiche:
Diese drei Bereiche können sich teilweise überschneiden und in
ihrem Ausmaß variieren, keiner soll aber einen anderen mehr als nötig
beeinträchtigen. Zu 1.: Zur Persönlichkeitsentwicklung gehört Selbsterkenntnis, Lebenserfahrung und Ziel-Orientierung. Selbsterkenntnis erfordert Kenntnis der eigenen Geschichte (Kindheit) und die Fähigkeit zum Hinterfragen und Hinterfragenlassen der eigenen Eigenschaften, Verhaltensweisen, Einstellungen und Werte. Lebenserfahrung erfordert praktische Kenntnis gesellschaftlicher Lebensstrukturen (Partnerschaft oder Familie, Arbeit, Eigentum etc.). Ziel-Orientierung erfordert ein eigenes Weltbild, eine Vorstellung vom Sinn des eigenen Lebens eigene Werte und Ideale. Zu 2.: Die Erwerbstätigkeit ist sinnvoll, wenn sie im Umfang über die persönliche Bedarfsdeckung nicht hinausgeht und vom Inhalt her möglichst ökologisch oder humanitär ausgerichtet ist. Zu 3.: Der gemeinnnützige Dienst an der Mitwelt ist ein Bedürfnis mündiger Menschen und umfaßt Natur und Mitmenschen, nah und fern. Mündigkeit Wesentliche Kriterien der Unabhängigkeit, Eigenständigkeit, Selbstbestimmtheit
Mündigkeit bedeutet
Kriterien der Unmündigkeit Unmündigkeit ist
Ein wichtiger Teil des Menschenbildes ist die Beschaffenheit der Identität, hier als Wesens-Einheit verstanden, sie ist Grundlage der inneren Sicherheit, der individuellen und der des Staates. Identität ist eine Frage des Alters und der Bildung. Kinder beziehen ihre Identität aus der nächsten Umgebung wie: Bezugspersonen, Elternhaus, Wohngegend, Stadtbezirk usw. Jugendliche aus Musik-, Film- und Sport-Stars und anderen Idolen, aus Stadt, Sportclub, Bundesland, Nationalität usw. Je mehr sich der Horizont erweitert, um so übergeordneter werden sowohl die Bezugspunkte, als auch der Wunsch nach Unabhängigkeit davon. Es besteht die Möglichkeit, daß nicht nur erwachsene Menschen eine Identität erreichen, die sich nicht mehr auf abgrenzende Bezugspunkte ethnischer oder konfessioneller Art stützt, sondern auf eine universelle Rückbindung an verantwortlicher Menschlichkeit und an der Natur. Und es ist möglich, daß diese auch Kindern schon genügt, wenn eine solche unmittelbar begründete Identität von Erwachsenen glaubwürdig vorgelebt wird. Ein Kriterium der Identität ist die Authentizität, die Echtheit und Wahrhaftigkeit. Identität die sich auf einen Glauben bezieht, der Unwahrhaftigkeiten und Tabus enthält wird immer konfliktanfällig sein. Ein solider Glaube dagegen wird durch Zweifel und Angriffe eher gefestigt als erschüttert. Ebenso kann eine solide Identität nicht durch Angriffe auf ethnische Merkmale verletzt werden. Motivation Als Beweggrund, als treibende Kraft spielt neben den naturgegebenen Antrieben zur Befriedigung der Grundbedürfnisse die innere Einstellung zum Leben, die ethische Orientierung eine große Rolle, ob selbst- oder fremdbestimmt. Selbst bei noch so sachlichen Entscheidungen sind es Lust- und Unlustgefühle, die letztlich den Ausschlag geben, und die sind von dieser verinnerlichten Einstellung bestimmt. Die ethische Orientierung trägt letztlich zur Entscheidung bei, ob es z.B. - im Extremfall - verantwortbar ist, einen Menschen zu töten oder nicht. Eine Orientierung an verantwortlicher Menschlichkeit wird es eher ermöglichen die egoistischen Anteile des Handelns mit den altruistischen in ein verantwortbares Verhältnis zu bringen. Von Politikern ist z.B. bekannt, daß sie einen großen Bedarf an Beachtung und Anerkennung, ja Bewunderung haben, der es ihnen ermöglicht, sich ein- und durchzusetzen. Dies muß ihnen zugestanden werden, solange sie gebraucht werden. Wichtig wäre nur, daß diese selber ihre Grenzen erkennen, wo Verantwortung und Glaubwürdigkeit beeinträchtigt werden, damit sie einerseits ihrer Aufgabe und andererseits ihrer Menschenwürde nicht schaden. * Ein klares und verinnerlichtes Menschenbild ist die Grundlage für ein selbstbestimmtes und sinnerfülltes Leben. Ein deutliches Bekenntnis zu einem Menschenbild, das auf verantwortlicher Menschlichkeit beruht, ist eine wesentliche Voraussetzung zur konstruktiven Mitgestaltung der Gesellschaft. Ein Menschenbild darzustellen ist nicht leicht, weil es sehr vielfältig ist. Es könnten leicht Bücher damit gefüllt werden. Um es aber verinnerlichen zu können, damit es stets abrufbar und anwendbar ist, muß es möglichst kurz gefaßt werden und trotzdem das Wesentliche enthalten. Am besten eignet sich hierzu eine Art Formel, ähnlich der berühmten Weltformel, nach der einige Denker seit langem suchen, um das Rätsel der Welt zu lösen. Womit jedoch die Antwort auf die Frage nach einer sinnvollen Lebensgestaltung des Menschen noch nicht gefunden wäre. Die Formel für ein sinnvolles Menschenbild könnte lauten: Ziel + Weg = Tat.
Der verantwortliche Mensch fühlt sich für sich selbst voll- und für seine Mitwelt mitverantwortlich. Das Streben nach Wahrhaftigkeit ist ihm wichtiger als das nach absoluter Wahrheit, da diese stets nur ein jeweiliger Erkenntnisstand sein kann. Das Beschreiten dieses Weges mit diesem Ziel erfordert als ersten Schritt das deutliche Bekenntnis zu beiden. Das Bekenntnis zum verantwortlichen Menschsein, das ein ständiges Streben nach Wahrhaftigkeit enthält, läßt sich am deutlichsten in dem Begriff 'Humanist' ausdrücken. Das Bekenntnis, ein Humanist zu sein bedeutet - selbstverständlich - nicht schon Vollkommenheit, sondern das Streben nach größtmöglicher Entfaltung der im Menschen angelegten positiven Möglichkeiten bei gleichzeitiger Beachtung der Grenzen, um ein Umschlagen der Bestrebungen in Unmenschlichkeit sich selbst und Anderen gegenüber zu vermeiden. Humanismus ist unter den Religionen, Konfessionen, Weltanschauungen und sonstigen geistigen Rückbindungen diejenige ethische Orientierung, deren Name bereits den direkten Weg und das eigentliche Ziel sinnvollen Handelns enthält und deren Maßstäbe real, plausibel und wissenschaftlich haltbar begründet sind. Humanismus ist im Gegensatz zu anderen ethischen Orientierungen nicht ab- und ausgrenzend, sondern universell und alle Menschen dieser einen Welt vereinend.
www.menschen-bild.de ist ein Projekt der Humanistischen AKTION © 2/2004
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Aktualisiert am 17.02.04
RKU